Ein ganz normaler Arbeitstag

Grüße aus der Versenkung - heute mit einem schon etwas älteren Text über meine Zeit als Zivildienstleistender.

 

Ein ganz normaler Arbeitstag


Viel zu früh aufstehen.

Kopf dröhnt – scheiß Alkohol.

War bisschen zu viel gestern.

Wie jeden Abend halt.

Aber notwendig war er auch.

Denn ein Zuviel bei Alkohol kann es gar nicht geben.

Erste Zigarette anzünden.

Ins Band wanken.

Klobrille hochklappen ist zu viel Arbeit in der Früh.

Abends im Übrigen auch.

Mist, daneben gepinkelt.

Egal.

Wird schon jemand wegwischen.

Bzw. trocknet ja auch ein.

Im Sitzen pinkeln? Niemals! Ich bin ein Mann und keine Muschi. Ich wurde geboren, um im Stehen zu pinkeln.

Zähneputzen fällt heute aus – keine Lust.

Dusche muss nicht sein, erst übermorgen wieder.

Reicht leicht.

Anziehen.

Das gleiche wie die letzten vier Tage.

Zigarette (Nummer zwei).

Kaffee.

Zigarette (Nummer drei).

Zur Arbeit fahren.

Zigarette (Nummer vier).

Scheiß Berufsverkehr!

Zigarette (Nummer fünf).

Ankunft Bauhof.

Einparken – und zwar rückwärts, Männersache!

Die anderen Visagen sind auch schon da – zum Kotzen.

Zigarette (Nummer sechs).

Der Gong schreit, die Arbeit beginnt.

Chef verteilt Aufgaben.

Wie immer den größten Dreck abbekommen.

Und den Auszubildenden noch dazu – na ganz toll.

Innere Wut.

Zum Pritschenwagen gehen, Werkzeug raufwerfen, losfahren.

Zigarette (Nummer sieben).

Auszubildender weist mich darauf hin, dass ich im Dienstwagen nicht rauchen darf.

Schnauze! Du kannst auch was aufs Maul haben!

Weiterrauchen und Auszubildenden Angst einjagen – mit Absicht mal kurz nach rechts leicht von der Straße abkommen.

Hehehe, er bekommt Angst.

Und gleich nochmal, diesmal aber ohne Absicht, sondern die Folgen des achten oder neunten Biers von gestern Abend.

Egal – Zweck erfüllt.

Arbeitsstelle – Aufgabe: Unkraut jäten an der Schule.

Was soll ich tun, Herrn Scholz?

Boah, ist der blöd.
Nichts kann man mit dem anfangen – typisch heutige Jugend.

Zigarette (Nummer acht).

Aus Wut gleich aufgeraucht.

Zigarette (Nummer neun).

Unkraut jäten. Unkraut ist das was da nicht hingehört, also sowas wie du, du nutzloses Stück Scheiße.

Und jetzt hopp, hopp, hopp, nicht faul rumstehen sondern arbeiten.

Wird’s bald?

Auszubildender arbeitet, ich rauche (Nummer zehn).

Der Mistkerl reißt alles raus, was für ein Volldepp.

Muss ich mich schon wieder aufregen, noch vor der Brotzeit.

Zigarette (Nummer elf)

Auszubildenden erklären, was er machen muss.

Schaut mich an wie fünf Meter Feldweg.

Die blöde Drecksau versteht auch wirklich gar nichts.

Zigarette (Nummer zwölf)

Brotzeit – endlich Pause.

Zigarette (Nummer 13 und 14).

Weiterarbeiten, hopp hopp hopp.

Ich rauch noch schnell eine (Nummer 15).

Oder zwei. (Nummer 16)

Zur Abwechslung mal arbeiten. Mach ja eh alles ich.

Währenddessen drei Zigaretten (Nummer 17-19).

Viereinhalb Jahre noch, dann geh ich in Frührente.

Vielleicht fahr ich dann noch nebenbei ein bisschen Bus.
Mittag.

Essen, was Mutti am Vortag hergerichtet hat.

Schon wieder Streichwurst, wie oft muss ich der noch sagen, dass ich keine Streichwurst mag.

Und das Brot schon wieder zu dick geschnitten.

Nichts kann die sich merken, rein gar nichts.

Ess ich trotzdem, wird ja sonst schlecht. Was Anderes hab ich auch nicht.

Zigarette (Nummer 20).

Mittagspause eigentlich vorbei – egal, jetzt erst mal Mittagsschlaf.

Auszubildender geht arbeiten – Streber.

Rausch ausgeschlafen, Mittagspause so um eine Stunde verlängert. Muss der Chef ja nicht erfahren.

Zigarette … Oh scheiße, Schachtel schon leer.

He, Auszubildender geh mir Zigaretten kaufen!

Marlboro Gold.

Aber nur die, wennst was anderes kaufst, kannst den Dreck selber rauchen.

Doch, du gehst schon!

Alles muss man selber machen.

Endlich – Zigarette (Nummer 21).

Auf den Entzug gleich noch eine (Nummer 22).

Oder zwei (Nummer 23).

Arbeiten.

Zehn Minuten lang.

Sich mit Anwohner unterhalten.
Dabei Zigarette (Nummer 24).

Sind einer Meinung, dass bei Adolf damals alles besser war.

Hätte es bei ihm alles nicht gegeben.

Der wird heute viel schlechter dargestellt, als er war.

Zigarette (Nummer 25).

Sowas wie der Auszubildende hätte damals schon gelernt zu spuren.

Disziplin fehlt dem eindeutig, sieht der Rentner auch so.

Dem hätte Militär nicht geschadet.

Zigarette (Nummer 26).

Rentner geht leider schon wieder. (nach eineinhalb Stunden)

In einer Stunde ist endlich Feierabend – Zeit wird’s.

Schon mal zusammenpacken.

Auszubildender hat nicht viel geschafft.

Zumindest nicht so viel, dass nach der Arbeit von zwei aussieht.

Mist.

Geräte aufladen.

Zigarette (Nummer 27).

Richtung Bauhof fahren.

Währenddessen Zigarette (Nummer 28).

Blick zu Auszubildenden – verzieht das Gesicht.

Rauch absichtlich zu ihm rüberblasen.

Ankunft Bauhof.

Zigarette (Nummer 29).

Abladen.

Die anderen arbeiten noch.

Oder sie tun eher so.

Kurz vor Feierabend werden die Faulen fleißig.

Sowas hab ich nicht nötig.

Wir haben unsere Arbeit heute wieder gemacht. Und zwar sauber. Kann keiner was sagen. Da haben wir schon was getan heute.

Der Auszubildende? Der war in Ordnung, aber sehr langsam. Der ist einfach nicht für uns gemacht.

Zigarette (Nummer 30).

Bei mir wars heute auch wieder anstrengend. Ich war ja ganz allein draußen.

Der Auszubildende? Nee, der bringts nicht, da hab ich zehnmal so viel gemacht wie der. (Auf jeden Fall zehnmal so viel geraucht)

Zigarette (Nummer 31).

Heute Abend? Ich mach nicht mehr allzu viel, Fußball schauen, nebenbei Bier trinken und rauchen. (vermutlich Nummer 32-40).

Jetzt dann erst mal schaun, was Mutti gekocht hat.

Schönen Feierabend.

Bis morgen.

Dom Neu am 10.11.14 19:48

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