Spurenfragment IX: Alles wie immer - aussichtslos

Spurenfragment


Alles wie immer – aussichtslos

Der Alkohol läuft.

Die Stimmung ist gut.

Ein guter Abend.

Für den Laden.

Für den Chef.

Für mich auch.

Gutes Trinkgeld.

Von Alkoholleichen, deren Lebern auch heute wieder Überstunden einlegen müssen.

Die Leber eines Quartalsäufers wird ebenso ausgebeutet wie der normale Arbeitnehmer.

Ich Ausgebeutete helfe den Trinkern beim Ausbeuten ihrer Leber.

Hier ist jeder betrunken.

Wer es jetzt noch nicht ist, der wird es bald – dafür werd ich sorgen.

Nüchtern kommt mir hier keiner raus.

Niemand außer mir selbst.

Eine muss ja nüchtern bleiben.

Ich mach das.

Ich kann das.

Hoffentlich.

Wär das erste Mal.

Dieser Job geht an die Substanz.

Meine Substanz besteht bald nur noch aus Alkohol – wie bei jedem hier.

Macht hier aber niemanden was.

Mir schon.

Lange mach ich das nicht mehr mit.

Mein Körper vielleicht auch nicht.

Aber der zählt nicht.

Aber ich will all das nicht mehr.

Anderer Job? Was denn?

Hauptschule abgebrochen.

Erste Lehre abgebrochen.

Zweite auch.

Dritte gar nicht mehr angetreten.

Unqualifiziert.

Und unglücklich.

Vorm Zug oder von der Brücke?

Keine Ahnung.

Entscheide ich aber auf jeden Fall noch heute Nacht.

 

Oder ich komm morgen wieder her.

In den Alltagstrott.

In die alkoholgetränkte Hölle.

Von einer Hölle in die andere?

Das sind Perspektiven.

Selbstmitleid – das Mittel dagegen: Alkohol.

Den guten Vorsatz vergessen und die Sorgen runterspülen.

Ein weiterer ganz normaler Abend in meinem aussichtslosen Leben.

 

 

Dom Neu am 24.9.12 18:53

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen