Neuer Roman: Ausgespielt

Am kommenden Dienstag erscheint Dominik Neumayrs erster Roman "Ausgespielt". Aus diesem Anlass findet an eben diesen Dienstag um 20 Uhr eine Lesung im Café Mana in Ingolstadt statt. Weitere Lesungen in Wolnzach und Eichstätt sind derzeit in Planung.

Darum geht es in "Ausgespielt":

Markus ist ein griesgrämiger, unfreundlicher und alternder politischer Kabarettist. Doch von dem Erfolg einstiger Tage ist nicht mehr viel geblieben – das Geld, seine Frau, sowie auch die meisten seiner Fans sind weg. Trotzdem organisiert sein Freund und Manager Franz nochmal eine Tour durch Deutschland. Markus wird dabei von dem jungen Nachwuchskabarettisten Karl begleitet, den er von Vornherein nicht leiden kann. Nur blöderweise muss Markus seinen jungen Kollegen fördern, sonst wird Franz keine Tour mehr für ihn veranstalten. Mit Markus und Karl prallen zwei Welten aufeinander, die sich jedoch nur auf dem ersten Blick unvereinbar scheinen. Denn eigentlich sind sich beide Kabarettisten ähnlicher, als sie es sich selbst eingestehen wollen.

 

Eine kleine Leseprobe:

 

Als Markus wieder aufwacht, fahren sie nicht mehr. Das Auto steht auf einem Parkplatz. Der Fahrersitz ist leer. Vielleicht ist Karl gerade auf dem Klo. Eigentlich müssten sie schon am Ziel sein, es ist kurz nach eins. Kurz bevor er einschlief, hat sich Markus ausgerechnet, dass sie bei normaler Verkehrslage so gegen zwölf Uhr ankommen müssten. Wenn man Karls sehr defensive Fahrweise berücksichtigt, kann man getrost eine Stunde dazuzählen. Aber das zu dem Parkplatz gehörende Gebäude kann doch unmöglich der Ort ihres heutigen Auftritts sein? Markus war zwar schon oft in Rostock zu Gast, jedoch tritt er heute Abend zum ersten Mal in der ‚Grauen Maus‘ auf. Wenn das der Laden vor ihm ist, dann will er hier auch nie wieder herkommen. Schon von außen erkennt man, dass hier länger nichts mehr investiert wurde – das Gebäude wirkt schäbig und dem Verfall preisgegeben. Der Parkplatz ist verwaist, überall wachsen Pflanzen und kleinere Sträucher aus dem gepflasterten Boden, bei dem sich zudem auch überall Steine anheben. Hier soll er heute Abend auftreten? Das kann nicht sein. Karl muss sich verfahren haben. Würde Markus auch nicht wundern, wenn Karl den Weg nicht gefunden hätte. Wobei da gab es doch dieses nervige Navigationssystem, das die ganze Zeit auf sie einquasselt. Aber wahrscheinlich kriegt es Karl sogar unter der ständigen Ansage dieser Maschine hin, sich zu verfahren. Oder das Navigationssystem weiß selber nicht, wo sie hin müssen. Immerhin hat es eine weibliche Stimme und Frauen sind bekanntermaßen nicht so gut im Lesen von Straßenkarten. Und eine Frau mit Orientierungssinn – gibt es denn so etwas überhaupt? Markus versucht sich das mit großer Mühe vorzustellen, wird in seinen Überlegungen aber vom zurückkommenden Karl unterbrochen. Dieser öffnet die Fahrertür und setzt sich wieder auf seinen Sitz.

„Ich glaube, wir sind hier falsch.“

„Das will ich aber auch hoffen. In dieser Bruchbude trete ich sicherlich nicht auf.“

„Wir sind auch nicht bei der ‚Grauen Maus‘, sondern bei der ‚Blauen Maus‘, die wohl schon seit längerem zu hat und auch keine Kabarettbühne ist.“

„Sie haben sich also verfahren.“

„Nein, das habe ich nicht. Ich bin dem Navigationssystem gefolgt.“

„Dann hat halt das Ding keine Ahnung. Oder sie können es nicht bedienen.“

„Doch, das ist es nicht. Ich habe den Verdacht, dass die Adresse, die uns Herr Oblinger gegeben hat, falsch ist. Schauen Sie, hier steht ‚Keilstraße 8‘ und da sind wir auch gerade.“

„Aber wir sind trotzdem falsch?“

„Ja.“

„Haben sie schon jemanden nach dem richtigen Weg gefragt?“

„Nein, ähm, weil das ist ähm …, eher schlecht.“

„Warum? Sind sie etwa zu schüchtern?“

„Nein, aber hier sind nicht allzu viele Menschen auf der Straße. Es laufen nur ein paar leicht bekleidete Damen herum, die Ihnen nicht den Weg mitteilen, sondern Preise für bestimmte Leistungen.“

„Mensch, Ullfahn, wollen sie damit etwa sagen, dass wir hier im Rotlichtviertel sind?“

„Ich befürchte ja.“

„Mensch, das ist ja toll!“

„Wie bitte?“ Karl wirft einen irritierten und verständnislosen Blick zu Markus, welcher die Frage beinhaltet, ob dieser das gerade ernst meint.

„Nur ein kleiner Spaß, haha.“

„Was machen wir jetzt?“

„Hier bleiben.“

„Ernsthaft?“

„Nein, natürlich nicht. Ich würde nie gemeinsam mit ihnen in ein Etablissement gehen. So etwas macht man allein.“

„Soll ich mal bei Herrn Oblinger anrufen und ihn nochmal nach der Adresse fragen?“

„Aber wir sind hier doch richtig, oder? Sie sagten ja zumindest gerade, dass die Adresse von dieser Bruchbude da vorne mit der hier“, Markus tippt mit dem Finger auf ein Blatt Papier, „übereinstimmt.“

„Aber dieser Club hat zu. Wohl schon seit Längerem.“

„Dann können wir heute halt nicht auftreten, sondern machen uns einen schönen Abend. Am besten gleich hier.“

„Vielleicht gibt es hier irgendwo ja auch noch eine ‚Graue Maus‘.“

„Karl, sie finden in solchen Läden eine Menge Klassefrauen, da brauchen sie keine graue Maus. Außer sie stehen eher auf den Typ graue Maus, in guten Läden haben sie auch solche da.“

„Entschuldigung, ich verstehe gerade nicht so recht – wovon reden Sie gerade?“

„Von der grauen Maus.“

„Haben Sie in der schon mal gespielt?“

„Ich hab schon mit der ein oder anderen grauen Maus gespielt – das können sie mir glauben.“

„Wissen Sie noch, wo das war? Weil dann finden wir ja vielleicht doch noch hin.“

„Wie, wo es war? Daheim und auf Reisen.“

„Wovon reden Sie denn jetzt schon wieder?“

„Von den grauen Mäusen.“

„Ach, da gibt es mehrere?“

„Aber Karl, natürlich. Mehr als sie denken.“

„Ich dachte, die gibt es nur hier in Rostock.“

„Da gibt es in jeder Stadt zahlreiche. Ein Allgemeingut sozusagen.“

„Und wo ist die ‚Graue Maus‘ hier in Rostock?“

„Woher soll ich das wissen?“

„Ich dachte, Sie waren da schon einmal?“

„Nein, in Rostock war ich noch nicht so oft.“

„Ich dachte, Sie haben in Rostock schon mal in der ‚Grauen Maus‘ gespielt.“

„Sind wir jetzt wieder bei der Kabarettbühne?“

„Wieso wieder? Haben Sie etwa über etwas Anderes gesprochen?“

„Ja, sie nicht?“

„Nein.“

„Ach so.“

„Worüber haben Sie denn gerade gesprochen?“

„Nicht so wichtig.“

„Also wissen Sie nun, wo hier in Rostock die ‚Graue Maus‘ liegt.“

„Nein, da hab ich noch nie gespielt. Bis zur vorhergehenden Tour waren wir immer in irgendeiner Bruchbude, deren Namen ich nicht mehr weiß, die am Tag nach meinem letzten Auftritt dann auch abgerissen wurde.“

„Seltsamer Zusammenhang.“

„Karl, unterstehen sie sich.“

„Entschuldigung. Stellt sich immer noch die Frage nach der korrekten Adresse.“

„Ich befürchte, da kann ich ihnen auch nicht weiterhelfen.“

„Ja gut, dann ruf ich mal schnell Herrn Oblinger an.“

„Wenn sie meinen – nur zu.“

 

 

Dom Neu am 6.3.13 08:16

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