Es war eine laue Sommernacht, die Sonne deutete ihr Erscheinen schon am Horizont an. Es war unsere Nacht, die wir unsere bestandenen Abschlussprüfungen am See feierten, vor allem aber war es die Nacht von Nicole und mir. Sie sah einfach bezaubernd aus in ihren leichten Sommerkleid, auf dem ein paar rote Flecken waren, die von einem Cocktail stammen, den ich aus Versehen verschüttet habe. Es war wirklich keineswegs Absicht. Wer glaubt schon an Zufälle? Sie gefällt mir. Ich hab bislang noch nie so viel mit ihr geredet wie am heutigen Abend, der Abend der für uns eine neue Zeit beginnen ließ. Heute abend bei dieser Weiherparty kam endlich auch mal ein größeres Gespräch zustande, als wie bislang nur das „Hallo“ vor den Vorlesungen.
Ich bewunderte an ihr den dezent aufgetragenen roten Lippenstift, der ihr gesamtes Auftreten einfach perfektionierte, ohne dabei billig auszusehen, nein ganz im Gegenteil sie sah einfach bezaubernd aus. Dazu ihre langen hellbraunen Haare, andere würden vielleicht dunkelblond sagen, ich nenne es hellbraun. Ihr gesamtes Erscheinungsbild war atemberaubend und ließ mir anfangs den Atem stocken. Aber diese Unsicherheit konnte ich gut überspielen, als wir dass miteinander ins Gespräch kamen.
Später am Abend lagen wir nebeneinander im Gras und schauten in den klaren Sternenhimmel ohne ein Wort zu sagen. Wahre Liebe braucht keine Worte. Als wir so eine Viertelstunde schweigend nebeneinander gelegen haben, sagte sie: „Ich glaub ich hab mich in dich verliebt,“ worauf ich nach einer kurzen Pause „Mmh, ich mich auch in dich,“ antwortete. Daraufhin schwiegen wir wieder. Damit war ja auch alles gesagt, fürs Erste. Einen kurzen Moment später sprang sie auf sagte „Fang mich“ zu mir und lief lachend davon. Sie lief im wilden Zick-Zack durch das kräftig grüne Gras und lachte immerfort.
„Du musst aber den genau selben Weg laufen wie ich,“ rief sie in meine Richtung gewandt. Also lief ich den gleichen Weg wie sie und erreichte sie auch schon einen kurzen Moment später.
„Hab ich dich endlich,“ flüsterte ich ihr ins Ohr und küsste sie.
„Hey, du bist aber nicht genau den selben Weg gelaufen wie ich,“ erwiderte sie und küsste mich auch.
„Doch.“
„Nein, jetzt musst du mich nochmal fangen,“ sagte sie und rannte schon wieder lachend davon, allerdings immer mit dem Gesicht zu mir gewandt. „Du musst meinen Weg folgen, sonst kriegst du mich nicht.“
Sie lief immer weiter und wir kamen schließlich am Parkplatz an.
„Du weißt doch wo ich wohne, oder?“ fragte sie mich und ich nickte. „Dann sehen wir uns vorm Wohnheim.“ Und schon saß sie in ihrem Auto und ich rannte schnell zu meinem, dass etwas weiter hinten stand.
Ich beeilte mich einzusteigen und fuhr los um ihr zu folgen. Sie hatte es nun nicht mehr eilig, sondern fuhr bewusst langsam, so dass ich aufschließen und konnte und wir schließlich nebeneinander durch die laue Sommernacht fuhren.
„Ich liebe dich,“ schrie ich ihr durchs offene Fenster zu.
„Ich dich auch, aber zuerst musst du mich fangen.“
Sie gab wieder Gas, ich folgte ihr glücklich und gedankenverloren der mir gut vertrauten kurvigen Landstraße. Ein lauter Knall riss mich aus meinen Gedanken. Ich wusste zuerst nicht was los ist, aber als ich sah, was passiert war, stockte mir wieder der Atem. Sie war in einer schnellen Rechtskurve geradeaus gegen einen alten Baum gefahren. Ich legte eine Vollbremsung hin und stieg langsam aus. Alles stand still. Mein Auto, ihr Auto, alles um uns herum. Ich merkte, wie meine Beine schnell zu ihren total zerstörten Auto liefen. Sie lag schlaff über dem Lenkrad und blutete an der Stirn, am Arm, an den Beinen. Überall war But. Ich zog sie aus dem Auto raus und legte sie behutsam ins Gras.
„Nicole. Hey, Nicole. Hörst du mich?“ hörte ich mich fragen und schüttelte sie sanft.
Sie öffnete ihre Augen und flüsterte ganz leise: „Du hast mich ja doch noch gefan... .“ Mit einem sanften Lächeln um die Lippen schloss sie ihre Augen.